Eine fette Ladung Bullshit – mein Freund, das Newsnetz

Zünder: Newsnetz über Probleme der SBB

Wer auf abartigen Humor steht, kann sich im Zoo mit den Giraffen unterhalten oder die Kommentare auf Newsnetz lesen. Diesen Fehler mache ich immer wieder. Leider stehe ich nicht auf abartigen Humor.

Was macht diese Hirnis so sicher, dass ihre Analyse, die sie sich aufgrund einer Erfahrung aus ihrer Birne gepult haben, die absolute Wahrheit ist? Wie kann man im ernst meinen, aufgrunddessen die Welt erklären und mit absurden Forderungen überhäufen zu können à la:

In erster Linie sollten die GAs massiv verteuert werden sowie das Halbtax auf 300.- angehoben werden. Die Einzeltickets sollten dagegen etwas günstiger werden, das würde dann etwa der Kostenwahrheit entsprechen, die Plauschmobilität würde so gebremst und die Züge wären weniger überfüllt.

So en Hafechäs! Die meisten GA BesitzerInnen sind PendlerInnen und Wochenaufentalterinnen. Da ist es eine nüchterne Kostenfrage, ob sich ein GA lohnt. Plauschmobilität, wo am meisten…?

Hallo Dann wundert man sich, dass auch sehr viele Leute auf die Schiene verzichten und (wie ich) halt den teureren Sprit bezahle – dafür aber weder auf dem Boden sitze, noch vom Kondukteur angeschnauzt werde

Ähm, mein lieber Herr, sind Sie sich des Widerspruchs bewusst, dass es im Artikel darum geht, dass eben nicht sehr viele Leute auf die Schiene verzichten, sondern die Eisenbahn rege benutzt wird?

Verspätungen bis 10 Minuten sind für die SBB kein Grund mehr sich zu entschuldigen.

Das stimmt schlicht nicht. Ich muss jedesmal schmunzeln, wenn sich der Zugführer über Lautsprecher für drei oder vier Minuten Verspätung entschuldigt, als seien es die Welt. Und schmunzeln musste ich gerade letzte Woche wieder.

Der Hauptgrund für die SBB-Probleme inkl. PK liegt in den wesentlich zu tiefen Preisen. Als Hochpreisland haben wir die günstigsten GA und Halbtax-Abos von Europa. Dies bringt eine überbordende Nachfrage.

Ach so. Und wenn die 20%, die mit dem Zug pendeln, auch noch die Strasseninfrastruktur benutzen würde, dann würde alles reibunslos laufen und billiger dazu? Schon mal darauf gekommen, dass wir allgemein sehr viel grössere Strecken viel öfter und selbstverständlicher zurücklegen als früher? Das nennt man „Mobilität“. Aber das passt jetzt leder nicht mehr ins 400-Zeichen-Modell, versteh‘ ich schon. Und ob billig oder nicht: Wie genau kommt dieser Vergleich zu stande? In Deutschland (8-9 Mal so gross wie die Schweiz) kostet übrigens die meines Wissens vergleichbare „BahnCard 100“ 3.650€.

Es muss dringend begonnen werden, die dicht befahrenen Strecken auf 4 Gleise auszubauen. Durch die Personenfreizügigkeit wird die Bevölkerung in der Schweiz trotz Geburtenrückgang noch massiv zunehmen. Wir müssen unbedingt heute schon auf ca. 9 Millionen Einwohner im Jahr 2050 vorbereitet sein, sonst werden die Engpässe immer extremer! Nebenbei: auch neue KKW und Autobahnen sollte man bald planen!

Mein persönlicher Favorit. ist schon krass, eine Zunahme von einer Million Leuten in 40 Jahren (wenn es denn stimmt). Vor allem vergleichen mit der Zunahme um annähernd das Doppelte in den letzten 40 Jahren. Das Bundesamt für Statistik rechnet die Bevölkerung im Jahre 2050 übrigens auf 8.3 Millionen hoch. Und wenn man dann mal irgendwelche Annahmen als Realität zu Grunde legt, kann man dafür ja auch gleich noch den Ausländern die Schuld dafür geben und das Weltbild vervollständigen mit anderen Rufen ins Nichts (a.k.a. Newsnetz), die bevorzugterweise mit „es muss“ beginnen. Grosses Kino.

Ich frage mich manchmal wirklich, ob da nur PR-Roboter kommentieren. Und ob die das Gefühl haben, damit die Meinung von irgendjemand zu beeinflussen? Oder ihre Verbitterung loszuwerden, weil niemand ihre undifferenzierte als Meinung verkaufte Beliebigkeit glaubt? Oder ob sie sich eifach als Abtrünnige in Szene setzen wollen und gar nicht wollen, das jemand ihre Meinung teilt (wie es die grösste Schweizer Partei in Mode gebracht hat)?

Zum Glück gibt es ab und zu ein Kommentar, der nicht aus einem wirr fantasierenden Kopf zu kommen scheint und keine verquere Theorien abfeiert, sondern eine Annäherung an die Realität versucht:

Jetzt hört mal auf auf der SBB rumzureiten. Wie wars das Anfangs Jahr, 95% der Züge sind pünktlich! Ich lebe in Frankreich und wenn hier mehr als die Hälfte der Züge weniger als 10 Minuten Verspätung haben, ist dass eine Seltenheit. Hört auf zu jammern.Und es ist wie überall, guter Service kostet halt mehr.

Nicht dass alles zum Besten stünde, aber hey, wenn ein Ersatzzug fünf Minuten nach Bemerken der Panne dasteht und sich die Abfahrt dadurch nur minim verzögert, ist das eine logistische Meisterleistung, die bei der Beurteilung der SBB auch mal einbezogen werden sollte.

Fazit: Statt solch dummdreister, selbstgerechter Beurteilung ist mir, ganz ehrlich, jeder noch so bürokratische Entscheidungsweg lieber.

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