Angst foltert Kinder

Ein Platz ist noch frei
auf der hintersten Bank
in der vollbesetzten
Kirche der Angst
(Kettcar, Fake for Real)

Ist Angst die treibende Kraft und die neue Konstante in der Politik?

Die Angst vor dem Terrorismus, die die USA zwei Kriege führen liess, die Angst vor dem Verbrechen, die geschürt wird, um Überwachung als sinnvoll zu verkaufen, die Angst vor dem Fremden, die mausarme, hungernde Leute als böse, illegale Eindringlinge darstellt und sie auf dem Mittelmeer verrecken lässt.

Die aufklärerische Erkenntnis, dass Freiheit heissen muss, Rechtsgleichheit für alle, weil man oft genug die Erfahrung gemacht hat, wie Menschen einander ausbeuten, wird verachtet und negiert. Jetzt sind wir natürlich geläutert und können auf Prinzipien scheissen. Wir wissen ja was gut ist.

Symptomatisch für diese Aushölung der Aufklärung ist Guantánamo. Damit man selbst nichts fürchten muss, ist man bereit, Menschenwürde, Humanismus, dem eigenen Verstand und Gerechtigkeitsempfinden zehn Kilometer unter der Erde zu vergraben, Menschen unter Umgehung internationalen Rechts ohne Anklage einzusperren und systematisch zu foltern. Mohammed Jawad war noch ein Kind, als er für den vermeintlichen Wurf einer Granate fünf Jahre inhaftiert und mit Schlägen, Schlafentzug und Drohungen (wir töten deine Familie) gefoltert wurde.

Das kann Angst anrichten. Und ihre Handlanger, heissen sie nun Bush, Ahmadinejad, CDU oder SVP.

Ein Land, dass sich deswegen auch noch toll fühlt, nicht zu seinen Fehlern stehen kann und es nicht schafft, diese Lawine aus Scheisse aufzuarbeiten, finde ich zum kotzen.*

Was man tun könnte, wenn man da nicht einverstanden ist? Man kann zum Beispiel damit anfangen, Druck auf Obama auszuüben. Oder sich über die Hintergrunde des Kriegs gegen den Terror zu informieren.

edit: Dazu passt ganz toll das letzte Chaosradio Express, „Mut zur Freiheit“, mit Juli Zeh und Ilija Trojanow. Grosses Kino!

*was nicht ausschliesst, dass ich einige Städte voll interessant und so finde. Und Woody Allen. Und Rocketboom. Und den 571mul470r. Und dass von Teilen der amerikanischen Kultur eine ziemliche Anziehungskraft ausgeht. Weil es mehr ist als das Land, das Ignoranz und Heuchlerei zum common sense erhoben hat. Aber das ist es eben auch.
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