Das Böse muss verboten werden!

Gestern hat der Ständerat zwei Motionen zum Verbot von so genannten „Killerspielen“ angenommen (parlament.ch).

Dazu das Echo der Zeit: Aggressivität ja, Auswirkungen aufs Gehirn ja, aber fällt das ins Gewicht?

Die WOZ hat Evi Allemann, als sie die weitergehende Motion (im Ständerat mit 19:12 Stimmen angenommene) im Nationalrat eingereicht hat, Couter Strike spielen lassen.

Ich finde solche Spiele scheisse, aber da gibt es noch anderes, das ich scheisse finde. Aber muss es deshalb gleich verboten werden? Was kommt als nächstes? Hundescheisse? Katzen (können einen beim Autofahren ablenken)? Hohe Bäume (könnte man runterfallen)? Rauchen? – ach nee, läuft ja schon. Und warum haben alle Parteien mit liberalem Unterbau (FDP, Grüne, SP) den Gaggi in der Hose und spielen mit bei diesem lässigen Spiili „einen Schuldigen suchen, und beim Lynchen ja nicht das Hirn einschalten“?

Zumal zwischen Gewaltkonsum und Gewaltausübung kein Kausalzusammenhang besteht, wie ein Bericht des Bundesrates feststellt (Seite 63 Mitte; gefunden via oben verlinktem WOZ-Artikel):

[…] aufgrund des aktuellen weltweiten Forschungsstandes [kommt ein mit einer Expertise beauftragter Wissenschaftler] zu der Schlussfolgerung, dass der Konsum von violenten Medieninhalten nicht ursächlich für gewalttätiges Verhalten von Jugendlichen ist; Medien und insbesondere Neue Medien können aber einen verstärkenden Faktor in einer Ursachenkette darstellen.

Das heisst also, dass man einfach mal das verbietet, was am einfachsten zu verbieten, nicht aber der Grund für Gewaltausübung ist, sondern nur dazu beitragen kann. So als ob man Messer verbieten würde, weil sie zum Skalpieren geeignet sind (obwohl es auch nachher noch genug Messer im Umlauf haben wird).

Und, P.S.: Die folgenden Schlagworte stelle ich den Damen und Herren PolitikerInnen mit Hang zu skandalisierenden Schlagworten gratis zur Verfügung: „Killergefährt“ (Auto), „Killervelos“ (für die „VelofahrerInnen können alle nicht fahren!“-PolemikerInnen), „Killerverein“ (Militär), „Killerpraktik“ (Ausschaffungshaft).

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2 Antworten zu Das Böse muss verboten werden!

  1. zappadong schreibt:

    Zwei Vorbemerkungen:
    1. Ich finde solche Spiel auch schecht.
    2. Mein 17-jähriger Sohn spielt solche Spiele – die ich ihm weder auszureden noch zu verbieten versuche.

    Als nächstes sind dran:

    Marilyn Manson
    Ramstein
    Heavy Metal generell
    Bei den Büchern die Sparte Thriller (allen voran jene über Serienkiller), dann die Krimis
    Action Filme
    Pornographische Filme
    Alle Filme ausser solche mit pädagogisch wertvollem Inhalt
    Übergewichtige
    Politisch anders Denkende
    Der Nachbar
    Du
    Ich

    (Wahrscheinlich habe ich ein paar Dinge vergessen … Hauptsache, man kann weiterhin einem Schützenverein beitreten und die Militärwaffe mit nach Hause nehmen)

  2. Kim schreibt:

    Da fällt mir was ein: Normalerweise werden Bücher ja nicht verboten, da sie ein Medium sind, das auch alle über 30 verstehen. Aber im Kanton Genf wollte die SVP veranlassen, dass „Le grand cahier“ von Agota Kristof nicht mehr als Schullektüre zugelassen wird. Jugendliche sollten nicht so hässliche Sachen lesen.

    Dazu muss man sagen, dass das Buch wirklich hässlich ist, es spriesst vor Gewalt, Vergewaltigungen und nicht appetitlichen Sexualpraktiken. Aber das alles vor dem Hintergrund eines grausamen Krieges. Womit uns die Autorin ja wohl etwas mitteilen wollte.

    Aber davor („Pornografie!“) muss man die Armen Jugendlichen natürlich beschützen, wobei ja gerade eine Schule ein geeigneter Rahmen wäre, sich mit Hilfe einer Lehrperson damit auseinanderzusetzen. Von unserer Klasse hat glaube ich niemand bleibende Schäde davongetragen.

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