Eine postnationale Biografie

Europa wächst zusammen. Wir sind mobil. Wir kommen rum. So auch die Frau, um die es in dieser Geschichte geht, ein Beispiel für eine Welt, die viel mehr Möglichkeiten bietet als früher.

Sie wird in Bratislava geboren, das zu dieser Zeit noch in einem Land namens Tschechoslovakei liegt. Da ihre Eltern religiös sind und auf Distanz zur Partei gehen, erfährt sie früh, was es heisst, zu einer Minderheit zu gehören. In der Schule muss sie sich doppelt unter Beweis stellen – und das tut sie. Sie kann Medizin studieren und schliesst 1993 mit Doktortitel ab.

In Wien trifft sie ihre grosse Liebe, einen Schweizer, mit dem sie im Jahr darauf zusammenzieht, im Kanton Luzern. Sie bildet sich weiter in Homöopathie, macht eine Praxis auf und bekommt ein Kind. In dieser Zeit muss sie hart arbeiten, doch sie ist ehrgeizig und hat ein sonniges Gemüt.

Die Familie ist ihr sehr wichtig, ausserdem malt sie gerne und liebt den Garten und die Natur. Neben Deutsch und Slowakisch spricht sie Tschechisch, Russisch, Polnisch, Englisch und Ungarisch. Sie ist charmant, und so klingt es auch, wenn sie Schweizerdeutsch spricht: zwar nicht perfekt, aber sympathisch.

1999 wird sie eingebürgert. Sie weiss, dass sie Glück gehabt hat und will etwas zurückgeben. Sich fürs Gute engagieren.

2000 tritt Yvette Estermann in die SVP ein.

Quellen:

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2 Antworten zu Eine postnationale Biografie

  1. Titus schreibt:

    Weisst Du, was Ex-Raucher, Konvertiten und eingebürgerte Ausländer gemeinsam haben?

    Sie begegnen denjenigen, die nicht so sind wie sie selber, viel radikaler als es jene tun, die immer schon das waren, was sie heute sind.

    Der Wechsel zum «Anderen», also zum Ex-Raucher, zum Andersgläubigen oder zum Anhänger einer ausländerfeindlichen Partei erfolgt bewusst und führt wohl auch daher zu einer Radikalisierung. Allerdings gibt es bestimmt auch noch andere Gründe.

    Da fällt mir grad ein: Thomas Held war früher ein ganz Linker. Heute ist er Direktor des neoliberalen Think Tank Avenir Suisse…

    Auffällig, diese freien Radikale, nicht? 😉

  2. Kim schreibt:

    Mich irritiert das jeweils schon ziemlich, so ein Thomas Held und Konsorten. Aber natürlich ist es schon erklärbar; ausser man setzt voraus, dass alle ähnlich ticken wie man selbst, wozu ich neige… So gesehen ist es auch eine Art Intoleranz, bös gesagt 😉 Oder positiver: die eigene Sicht der Dinge betonen.

    Die Geschichte über Frau Estermann ist wohl etwas konstruiert. Zuerst zwei Pole fabrizieren und dann einen Gegensatz ausmachen. Aber was ich damit herausstreichen wollte: Sie gehört zu einer Generation, die sich selbstverständlich in einer globalisierten Welt bewegt (ja, Floskel, aber ist halt so) und vertritt Werte, die sich damit beissen…

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