Information made Beautiful

Es gibt etwas Neues, und ich war dabei, als es laufen lernte! Man nennt es Datenvisualisierung oder Informationsdesign. Klingt zugegeben sehr unsexy. Ist aber extrem sexy.

Da gibt es diese Seite, Information is Beautiful, deren Namen ich für ziemlich genial halte. Denn er trifft den Nagel auf den Kopf: Es geht darum, Berge langweiliger und komplexer Daten so aufzubereiten, dass das Relevante ins Auge fällt, das System verständlich wird, die Zusammenhänge ersichtlich – und das alles bei ansprechender Gestaltung. Der Mensch von Information is Beautiful erklärt das in einem Vortrag.

Der Guardian arbeitet mit ihm zusammen und ist auch sonst ein Vorreiter mit Datablog, Regierungsdaten-Aufbereitung und den durch Crowdsourcing zusammengestellten War Logs. Zur Zeit springen alle auf den Zug auf: Der Tagi hat auch gemerkt, dass sich da was tut (am 8.9.10 gab es z.B. eine auf Schweizer Verhältnisse angepasste, seitenfüllende Version davon), Die Zeit ist auch dabei, sogar die FAZ. Nach Inception schienen die Visualisierungen wie Pilze aus dem Boden zu schiessen (ist ja Pilzzeit jetzt, ne).

Die Grafiken (und Filme), um die es hier geht, spielen in einer anderen Liga als Diagramme, Karten und Tabellen zur Informationsaufbereitung, wie man sie schon lange kennt. Es werden komplexe Sachverhalte in ein Bild (oder Filmchen oder interaktives Flash-Dingens) gepresst, das so schön anzusehen ist, dass nicht nur Grafik-Geeks wie ich, sondern alle das ziemlich toll finden, und auch sofort sehen, worum es geht. Das ist meines Erachtens eine neue Qualität.

Wegbereiter waren aus meiner Sicht le Monde diplomatique, der schon länger aufwendig aufbereitete Karten einsetze, und auch arte betreibt schon einige Zeit etwas Ähnliches unter dem Namen Mit offenen Karten. Kann gut sein, dass ich nicht alles im Blick habe, aber in jedem Fall lese ich heraus, dass sich da etwas ziemlich Faszinierendes entwickelt. Bezeichnenderweise hatte das Internet einen grossen Anteil an der Entwicklung und die ach so auf Hintergrund und Zusammenhänge bedachten Printmedien hecheln hinterher.

Fluch oder Segen? Ich muss zugeben, ich liebe durchdachte, schöne Grafiken, die mir die Welt erklären. Und da gibt es auch die Berührungspunkte mit Open Government. Transparenz und Information für alle! Aber natürlich muss man gerade Grafiken, die Komplexes herunterbrechen, mit Vorsicht geniessen. Die Gefahr der Manipulation besteht, oder auch einfach der unwillentlichen Missinformation (geschehen bei der Vulkangrafik) oder verkürzten Darstellung. Aber andererseits ist Datenvisualisierung auch ein ziemlich mächtiges Instrument, um etwas wieder in den Kontext zu rücken.

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2 Antworten zu Information made Beautiful

  1. flöschen schreibt:

    Super Artikel. Danke vor allem für die vielen Links. Ja, Statistiken sind sicher etwas tolles, aber gerade bei komplexen Dingen sind Grafiken dazu unverzichtbar fürs Verständnis.

    Information is Beautiful und die Guardian-Blogs kannte ich schon, der Rest – besonders der Atlas der Globalisierung – ist mir neu. Danke, ich mache mich auf, all die Seiten zu besuchen… 😉

  2. Katharina schreibt:

    Danke für den Artikel und die vielen Links. Vor allem den Vortrag von der TED-Konferenz fand ich sehr spannend.

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