I don’t believe in war and i don’t intend to start

Zünder: „Morde aus Spass“ – zusätzliche Aktualität sincerely brought to you by Wikileaks (vgl. „Echo der Zeit“-Beitrag; A day in the life of the war beim Guardian)

And so, everybody’s going to war
But we don’t know what we’re fighting for

Frühling 2003. Die USA ziehen in den Irakkrieg. Ich gehe zum ersten Mal an eine Demo. Bern, fremde Stadt, und so viele Leute! Der politischen Zusammenhänge bin ich mir nicht bewusst: Was die UNO ist, wo Irak liegt, wer Saddam Hussein ist. Ich weiss vor allem: Krieg ist scheisse. Und der Bush ist das Arsch, das damit angefangen hat.

Ich erinnere mich, dass uns der Mann hinter dem SBB-Schalter sagte, er würde lieber mit nach Bern kommen als zu arbeiten; ich erinnere mich, wie ich mich darüber aufregte, dass in der Tagesschau vor allem („friedlich, ausser…“) gezeigt wurde, wie Patric (heute Qaasim) Illi eine US-Flagge abfackelte; ich erinnere mich, dass man irgendwann auf dem Bundesplatz stand und ich mir dachte, und jetzt?

Es interessierte mich, wie das läuft mit dem Bush und der Politik und dem Krieg und Frieden. Über Umwege fand ich in die Welt der Politik, mir wurde erklärt, was dieses links und rechts bedeutet und jetzt gehöre ich zu denen, die meinen, das System begriffen zu haben; zuweilen komme ich mir verdorben vor, weil meine Denkmassstäbe so politisch sind. Der Preis des Verstehens, oder so.

2010. Ich lese die hundertste Geschichte über den Krieg, höre zum hundertzehnten Mal von Truppenaufstockungen, Truppenabzügen und Militärstrategien, sehe das hundertzwanzigste Mal Ulrich Tilgner im Wind stehen und mit gerunzelter Stirn scharfe Analysen über grässliche Dinge zum Besten geben, und ich denke: Es läuft nach wie vor darauf hinaus, egal wie viel Information du hast, wie viel Hintergrundwissen, dass Krieg scheisse ist.

Everybody’s talking about
bagism, shagism, dragism, madism, ragism, tagism
this-ism, that-ism, ism, ism, ism
All we are saying is: Give peace a chance.

Nach wie vor befremdet mich das Erstaunen nach jedem Skandal. Vietnam. Srebrenica. Abu Ghraib. Afghanistan war logs. Iraq war logs. Und alle so: „Ooooh, das haben wir nicht gewusst! Das ist ja schrecklich!“

Krieg war immer Millionen Tonnen Leid, jedes Mal aufs Neue. Es ist immer dieselbe Scheisse, immer und immer wieder, zwei Weltkriege, der Vietnamkrieg – aber immer noch der Glaube, ein Krieg für das Gute führen zu können.

Wann begreifen sie es endlich? Krieg ist eine Übersprungshandlung, ein Zeichen von Schwäche, ein Symptom der Angst. Und Angst essen Seele auf. Dieser Logik folgt auch, Julien Assange anzuklagen anstatt die Berserker und Kriegstreiber.

Fear will keep us all in place
So I go hunting for witches
Heads are going to roll

Calvin Gibbs mag ein Psychopath sein, aber schlussendlich ist er auch nur ein Rädchen in einem System. Ein System, das Menschen Waffen in die Hand drückt und sie nach Irak und Afghanistan schickt. Krieg: Menschen töten Menschen. Grössere Arschlöcher töten mehr, Zweifler gehen an sich zu Grunde. Der eigentliche Sinn verblasst, the shit hits the fan, we don’t know what we’re fighting for, die Grenzen des Menschseins werden durchlässig, und darum läuft jedes Mal, jedes Mal alles aus den Bahnen. Wenn man Rahmenbedingungen wie Tretminen schafft, muss man sich nicht wundern, wenn ein Calvin Gibbs darauf tanzt. Don’t damn the player, damn the game.

Die grundsätzliche Falschauffassung besteht darin, dass Krieg sich innerhalb des Guten abspielt. Krieg bleibt, was er ist: Barbarei. Übrigens auch all die Kriege, die wir nicht sehen.

Krieg hinterlässt immer Leid, Probleme, Zerstörung. Immer. Immer. Immer. Immer!

But in the true sense of the word
Are we using what we’ve learned?
In the true sense of the word
Are we losing what we were?
It’s such a tired game
Will it ever stop?

Mein Fazit: Kriege nicht als legitimes Mittel zur Besserung der Welt sehen. Bombing for peace is like fucking for virginity. Aber es ist weiterhin Gang und Gäbe, das Leiden im Krieg gegen das Leiden aufzuwiegen, das ohne Krieg da wäre. The greater good. Was ich für anmassend halte. Denn eigentlich ist es auch nur eine Variation von „Die Revolution muss keine Rücksicht auf Tote nehmen, weil sie alles zum Besseren wendet.“ Wer hätte gedacht, dass Amerikas Paranoia Berührungspunkte mit kommunistischem Fatalismus offenbart.

Zur selben Zeit in der Schweiz: Das Schweizer Fernsehen weiss zu berichten, dass freudig an Untergrundbunkern gewerkelt wurde ohne das Wissen der Parlamentarier – und in der NZZaS ist zu lesen, dass im Tagi zu lesen war, dass Herr VBS Ueli Maurer „in einem Stollen im Wallis auf 400 ausrangierte Schützenpanzer gestossen [ist], von denen man bisher nichts gewusst habe.“ (aber irgendwie haben es alle anderen doch gewusst und die SVP irgendwie auch, jedenfalls wollte sie die Dinger ein paar Jahre vorher unbedingt behalten, die jetzt verschimmelt und unbrauchbar sind.) Das ist dann wohl das verteidigungspolitische Gegenstück zu Sozialhilfemissbrauch.

Die Schweizer Wehrmacht mag ein Witzverein sein, gekreuzt mit Mythen und sich manifestierend in Form einer Parallelwelt, wo alle die Sau rauslassen können. Doch die bemitleidenswert schlechte Organisation ändert nichts daran, dass das Militär da ist, um Krieg zu führen. Krieg, das ist dieses Ding, das immer nach hinten losgeht. Dasselbe wie oben. Das gibt es nicht in gut und herzig, nur in braun und destruktiv. Das Schweizer Militär ist überdimensioniert, verklärt, unorganisiert, geldschluckend und in dieser Form nicht tragbar.

Solange sich die Scheisse repliziert, müssen wir sie so heissen. Die Scheisse, das ist Krieg, das sind entwürdigende Lebensumstände, das ist der Ruf nach Repression, Todesstrafe und Freiheit von Solidarität.

Imagine there’s no countries, it isn’t hard to do
Nothing to kill or die for and no religion too
Imagine all the people living life in peace

You may say that I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

Andere können das in vier Zeilen sagen.

Unter Verwendung von Zitaten von den Good Shoes, dem obligaten John Lennon, Rainer Werner Fassbinder, Bloc Party, Jack Johnson, Nerina Pallot und weiteren.

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2 Antworten zu I don’t believe in war and i don’t intend to start

  1. Kim schreibt:

    Danke ebenfalls. Erst jetzt gesehen und aus dem Spamfilter befreit.

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