Es wott es Fraueli z Märit ga

Zünder: Echo vom 25.5.11 Ein lose zusammenhängendes Gedankenprotokoll.

Der Bundesrat hat entschieden, keine neuen AKWs zu bauen. Ich finde das grossartig.

Andere finden das weniger grossartig. Wenn sie sprechen höre ich: „Also der Markt ja aber der Markt im Markt Marmarmar Rabarbarbar“. Damit meinen sie eigentlich: „Die Unternehmen, die ich vertrete, werden dadurch weniger Gewinn machen.“ Denn Dezentralisierung, Stromsparen und die Abschaltung alter Technologien schadet den grossen Stromunternehmen.

Der Wirtschafts- und Ökologie-Professor sagt: Es braucht eine Anschubfinanzierung vom Staat, damit neue Technologien sich durchsetzen.

Der Stromindustrie-Mensch sagt: 0.7% vom BIP in erneuerbare Energien investieren, seid ihr alle des Wahnsinns?

Der Wirtschafts- und Ökologie-Professor sagt: Das ist kein verlorenes Geld.

Der Stromindustrie-Mensch sagt: Wir müssen abwarten, bis die erneuerbaren Energien billiger sind als Atom. Erst dann lohnen sie sich. Eine Subvention der Entwicklung statt des Kaufs von Solaranlagen ist effizienter. Ich sehe das differenzierter. Das müssen wir noch genauer untersuchen. Oh schau mal dort oben, da fliegt ein Sauerstoffatom durch die Luft!

So wird Fortschritt verhindert. Und genau dieses Interesse der meisten Unternehmen, das in erstem Rang einem möglichst hohen Gewinn gilt, zeigt mir, dass es erstens staatliche Eingriffe und zweitens staatliche Vorschriften braucht, die im allgemeinen Interesse sind, aber vielleicht gegen das Interesse einer Branche, möglichst viel zu verdienen. Es zeigt mir, dass ein absolut freier Markt Blödsinn ist. Es braucht Anreize und Ausgleich. Es braucht manchmal grosse Investitionen, die nur ein Staat leisten kann. Und es braucht Regulierung, so viel, bis die Wirtschaft auf die Menschen ausgerichtet ist und nicht umgekehrt.

Kleines Wörterbuch Lobbyspeak – Deutsch

„Strommix“: Erneuerbar und dezentral ist schon gut, aber nur so als Deckmäntelchen. Den grossen Teil vom Kuchen wollen wir.
„Giesskanne“: Das ist irgendwie blöd weil nicht gut für unser angestammtes Geschäftsmodell.
„Wir müssen uns Zeit lassen und das analysieren“: Lalala ich finde wir sollten noch ein bisschen reden, statt zu entscheiden. Und vor allem nichts entscheiden, was gegen mein Interesse geht.

Ein echtes Schmankerl in Sachen Realsatire ist die Haltung der FDP: Man könne nicht für die nächste Generation entscheiden und dürfe deshalb die Option Kernkraft nicht ausschliessen.

Eine Mischung zwischen PR-Spin und Nonsens. Wo man sowas wohl kaufen kann? Mehr Dada für die Politik! (Zwar, ähm, vielleicht lieber doch nicht.)

Typisch Schweiz ist es, zuerst einmal abzuwarten statt klare Entscheidungen zu treffen. Dabei können Entscheidungen so schön sein! Auch deshalb: Hut ab. Es geht nämlich, wenn man will. Deutschland hat vor 15 Jahren abgefangen und ist jetzt bei einer zweistelligen Prozentzahl Strom aus Solar- und Windenergie. Die Schweiz bei 1%. (Der Stromindustrie-Mensch sagt: Deutschland ist etwas ganz anderes.)

Zum Stichwort „Optionen offenhalten“ wieder einmal Dan Ariely: Keeping Doors Open

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  1. Pingback: Atom-Ausstieg, now! | Monsieur Croche

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