Kapital und Ethik

Jim Sheridan: […] Mr Murdoch, do you accept that ultimately you are responsible for this whole fiasco?
Rupert Murdoch: No.
Jim Sheridan: You are not responsible. Who is responsible?
Rupert Murdoch: The people that I trusted to run it, and then maybe the people they trusted.

(Quelle: Video (1:15-1:30), Guardian Transcript)

Verantwortlich für die Entgleisung der Murdoch-Presse ist also nach Dafürhalten des obersten Chefs niemand – jedenfalls niemand, den oder die man ausfindig machen könnte. Die Huff Post schreibt, das sei so glaubhaft wie ein Vergewaltiger, der seinem Penis die Schuld gebe und sich selbst als nicht verantwortlich bezeichne.

Doch vielleicht hat Murdoch gar nicht unrecht. Die Äusserung legt die Sicht auf ein Grundproblem des Grosskonzern-Kapitalismus frei, denn dass Kapital vor Ethik geht, passiert viel zu oft. Wo liegt also das Problem?

Ist es der falsche Anreiz des kapitalistischen Systems? Mehr Geld verdienen ist gut, ethisches Handeln nützt nichts. – Wobei man dagegenhalten könnte, dass sich eine Strategie, die ethisches Handeln einbezieht, auch für Unternehmen positiv auswirken kann.

Oder sind es eben doch einzelne Individuem, die Schuld tragen? – Sicherlich auch, denn sonst würde man die Menschen zu fremdgesteuerten Robotern degradieren und damit von jeglicher Verantwortung freisprechen. Und es gibt wie gesagt viele positive Beispiele, in denen sich Menschen richtig verhalten, und sich weigern, den kapitalistischen Anreiz bis ins Illegale zu pervertieren.

Doch bei allem Glauben an das unabhängige Entscheidungsvermögen des Menschen bleibt festzustellen, dass dem System in seiner Konsequenz ein Anreiz zum Übergehen der Ethik innewohnt. Wir müssen Multis als solche wahrnehmen, woraus sich die politische Forderung ergibt, „Gegenanreize“ zu setzen. Grosskonzerne sind zwar ein toller Wirtschaftsmotor, doch sie bringen Risiken mit sich: Grösse ist Macht. Das sieht man bei Foxconn, die Standorte inklusive Schulen und Verwaltungen vor sich hertreiben, man sieht es an News Corp. und deren langjährigem Einfluss auf die britische Politik, man sieht es an der UBS, und man sieht es daran, wie erpressbar Gemeinden werden, wenn Steuerverluste drohen.

In dieselbe Kerbe schlug ich auch schon früher

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Eine Antwort zu Kapital und Ethik

  1. Peter Stenzinger schreibt:

    Braucht es dazu nicht schon vom Kindergartenalter her die Garantie, niemals ausgegrenzt werden zu können? Die allgemein gültige Spielregel des sozialen Miteinanders lautet doch immer wieder: „ich muß besser sein, als… damit ich die Anerkennung bekomme, die viel zu knapp vergeben wird.
    Peter

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