Bulletin der Gegenwart (3): Arabische Umbrüche

Jetzt, wo die arabische Revolutionen nicht mehr das bestimmende Thema in den Medien sind, wollte ich auch noch etwas dazu anmerken.

Vergleicht man die arabischen Revolutionen mit der Revolution, auf welche die europäischen Demokratien zurückgehen, würde ich den Schluss ziehen: Revolutionen dauern.

Nun ist es immer gewagt, historische Vergleiche zu ziehen, umso mehr, wenn man wie ich historisch nicht so bewandert ist. Aber für ein paar einfache Gedanken wird es reichen.

Die Französische Revolution war 1789. Endgültig Demokratie herrschte in Frankreich 1871. Dazwischen waren Regime, die in Terror oder neuerliche Diktatur abrutschten, Kaiser, Könige und Republiken, Putschs und Stürze, Krieg und vorübergehende Stabilität, Restauration und Regeneration, reaktionäre Backlashes und fortschrittlich-konservative Mixturen. Die Guten kippten ins Böse und die Bösen hatten nicht nur schlechten Einfluss.

Europa wankte nach dem Startschuss hundert Jahre vorwärts und zurück, in den verschiedensten, verworrenen Allianzen. Der Schweizer Bundesstaat von 1848 ist das Resultat von 50 Jahren unterschiedlicher Auseinandersetzungen. Und nicht zu vergessen, im 20. Jahrhundert kippten einige Demokratien wieder zurück in die Diktatur.

Nun ist die arabische Welt nicht Europa, 2011 nicht 1789, die Voraussetzungen, die Akteure, die Kriegsführung, die Berichterstattung, die weltweiten Zusammenhänge unterscheiden sich.

Aber was auch bei den Umbrüchen in der arabischen Welt ähnlich sein wird: Sie brauchen länger, um sich durchzusetzen, als sie einen Logeplatz in den hiesigen Medien haben. Nur schon, weil Menschen nicht plötzlich in Massen ihre Ansichten wechseln. Veränderungen mögen abgeschlossen wirken und neue Ordnungen stabil, doch erst im Nachhinein wird man eine Periode als stabil bezeichnen können. – Entwicklungen sind meist nicht eindeutig gut oder schlecht, aber was begonnen hat, wird nicht mehr zurückgedreht werden können.

Ohne paternalistisch oder pseudo-distanziert sein zu wollen, würde ich sagen: Es ist gut, bewegt sich etwas. Man kann nur Hoffen, dass der Wandel mit möglichst wenig Leid vor sich gehen wird.

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