Freies Wissen

Ich schreibe aus der Sicht eines Studenten. Und ich bin gerade etwas genervt.

Ich interessiere mich für einen Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Universitätsbibliotheken, aber auch andere umfangreiche Bibliotheken wie die Zentralbibliothek Zürich, haben diese Zeitschriften. Ich könnte mir jetzt die Signaturen herausschreiben, mit dem Zug dorthin fahren, die Artikel ausfindig machen und kopieren. Vorausgesetzt, sie sind gerade nicht ausgeliehen.

Nun leben wir aber im 21. Jahrhundert und es gibt dieses Internet.

Wäre es da nicht toll, wenn man den Artikel als PDF herunterladen könnte? Und in der Tat stehen die meisten Fachzeitschriften vollständig im Internet. Ich brauche den Titel eines Artikels nur bei Google einzugeben, um zu erfahren, dass er im Volltext auf Google Books, JSTOR oder einer anderen Website, die wissenschaftliche Publikationen verwaltet, herumliegt. Aber irgendwelcher Copyright-Blödsinn verhindert, dass ich rankomme. Die Unis haben zwar Abos bei gewissen Online-Artikel-Verwaltern, die sind aber so beschissen eingebunden, dass ich immer noch nicht verstehe, wie das funktioniert. Ich glaube, zuerst muss man auf alle grünen Böppel klicken, sich dann durchhangeln bis zu „Artikel jetzt bitte“, um sich dann zu einer Suchmaske weiterleiten zu lassen, wo man nochmals von vorne suchen darf, um dann weitergeleitet zu werden, VPN einzuschalten und sich dann doch noch dreimal einzuloggen. Aber die Mühe ist sowieso vergebens, weil sich nach einer halben Stunde meist herausstellt, dass der Artikel, den man braucht, leider doch nicht unter den Vertrag der Uni mit dem Content-Verwalter fällt. Und wohlgemerkt ist das akademisches Wissen, dessen Produktion zu einer grossen Teil von der Gemeinschaft finanziert wurde.

Das prangere ich an.

Ich will einen Online-Katalog, wo ich nach Titeln von Artikeln suchen kann, auch wenn sie in Sammelbänden erschienen sind, gerne auch sinnvoll verschlagwortet. Dann will ich auf einen Link klicken und ein durchsuchbares, druckbares PDF herunterladen.

Ja, das ist ein Luxusproblem. Natürlich leide ich keine Qualen, weil ich meine Arbeitsweise an die momentanen technischen Realitäten anpassen muss. Generationen von Akademikern kamen schliesslich auch mit Zettelregistern statt Onlinekatalogen klar. Aber es muss mühsam gewesen sein. Ich verschwende so viel Zeit damit, Literatur physisch ausfindig zu machen und zu kopieren, und das während das ganze Zeugs im Internet steht, dass ich mich schon frage: Muss das denn sein?

Und dabei habe ich es noch gut, denn wie ich höre, steht man in anderen Studiengängen mit Vorteil zur Zeit der Bibliotheksöffnung bereit, um sich ein Exemplar eines Buches zu sichern, das gerade der ganze Jahrgang braucht.

Ich sage euch, dieses Internet, das hat noch Potenzial. Traurigerweise scheinen das erst die Piraten begriffen zu haben.

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2 Antworten zu Freies Wissen

  1. Mia schreibt:

    «Ich will einen Online-Katalog, wo ich nach Titeln von Artikeln suchen kann, auch wenn sie in Sammelbänden erschienen sind, gerne auch sinnvoll verschlagwortet. Dann will ich auf einen Link klicken und ein durchsuchbares, druckbares PDF herunterladen.»

    Das will ich auch. Wo kann ich dafür unterschreiben?

  2. Kim schreibt:

    Du hast gerade unterschrieben. Wird allerdings kaum etwas nützen :/

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