Einseitige (Kosten-)Wahrheit

ÖV-BenützerInnen bezahlten nur 40% der Kosten, moniert der Avenir-Suisse-Chef im Echo der Zeit. Das widerspreche der Kostenwahrheit. Man bezahle schliesslich auch den ganzen Kaffee.

Eigentlich hat er ja recht. Schon absurd, dass man endloses Rumfahren und indirekt Zersiedlung subventioniert. Aber den Grund blendet der gute Herr aus: Unsere Volkswirtschaft profitiert von dieser Mobilität. So gesehen ist öV-Subventionierung eine Investition in die Wirtschaft. Da mit Verursacherprinzip zu kommen ist in einer extrem verhedderten Volkswirtschaft (wo alles mit allem zusammenhängt) schon etwas sehr vereinfachend, würde ich meinen.

Natürlich könnten wir die Wirtschaft anders gestalten – das wird aber nicht dadurch geschehen, dass man die Kosten des öVs vollständig auf die BenützerInnen umwälzt. Denn die Zwänge bleiben bestehen: Man muss trotzdem in die Stadt zur Arbeit. Und dort gibt es deswegen nicht mehr (bezahlbare) Wohnungen. Diese Art von Kostenwahrheit wäre vor allem eine Umverteilung: Eine volkswirtschaftliche Last, die zur Zeit der Staat mitträgt, würde den BürgerInnen angelastet – ähnlich wie wenn man die ganzen Ausbildungskosten den Studierenden aufhalsen würde. Der öV ist nämlich auch eine „demokratische Infrastruktur“, weil er allen Mobilität ermöglicht. Und so ist dieser Vorschlag, der so schön verpackt daherkommt, in meinen Augen einmal mehr ein typischer neoliberaler Ansatz (also: wir lassen die entfesselten Kräfte der Marktwirtschaft auf die Leute los und die sollen dann schauen, wo sie bleiben).

Über diesen Stein des Anstosses hinaus sagt Herr Schwarz übrigens auch einiges Interessantes (z.B. über Roadpricing-Modelle in anderen Ländern).

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