Ihr vermischt da was

Die TagesWoche interviewte André Dosé, Manager mit einigen vom Wirtschaftsheini-Mainstream abweichenden Ansichten. Zu 1:12 hat er jedoch die Ansicht, die alle Leute in seiner Position vertreten (muss man wohl irgendwie, wenn man in diesem Milieu zu Hause ist, obwohl ich mich frage, was da jeweils zuerst kommt, diese Ansicht oder die Karriere):

Ich kann nachvollziehen, wenn die Leute [sehr hohe Managerlöhne] nicht goutieren und ich verteidige diese Manager auch nicht. Zum anderen bin ich ein sehr liberaler Mensch und finde Ideen wie die 1:12-Initiative falsch. Warum wurde die Schweiz so stark wie sie heute ist? Weil sie vom Zweiten Weltkrieg verschont wurde und weil wir nach dem Krieg ein unglaublich liberales Land waren, das internationalen Unternehmen sehr viel anbieten konnte. [….] Es kann nicht sein, dass das Wort Unternehmer ein Schimpfwort wird.

Solche Aussagen liest man überall, sie sind ökonomischer Mainstream. Ständig wird uns mit ähnlichen Worten diese Sicht unter die Nase gerieben. Aber ist es wirklich so einfach? Wird da nicht ein bisschen viel in einen Topf geworfen? Es wird immer so getan, als sei die Wirtschaft ein homogenes Gebilde und nur eine liberale Gesetzgebung lasse sie blühen. Aber zwischen einem Bau-Unternehmen mit zwanzig Angestellten und einem Grosskonzern liegen Welten!

Man müsste doch mindestens zwischen KMUs und Grosskonzernen unterscheiden (und auch das ist sicher fahrlässig undifferenziert). Bei Unternehmungen sieht es wohl ähnlich aus wie bei den Menschen: die einen krampfen und kommen gerade so über die Runden, während die oben garnieren. KMUs schützen sich nicht mit Finanzkonstrukten vor Besteuerung – das lohnt sich erst für grosse internationale Konzerne mit viel Gewinn. Vielleicht hätten weniger Vorschriften oder Abgaben für KMU gesamtgesellschaftlich positive Auswirkungen – aber Grosskonzerne scheinen mir alles andere als zu wenig Handlungsspielraum zu haben. Ihre Freiheit setzt sich direkt in Macht um, die sie typischerweise für ihren Profit und gegen die Interessen von Menschen und kleineren Unternehmen einsetzen. Das eine ist Marktwirtschaft, das andere Kapitalismus. Oder, wenn man es etwas polemischer mag, Neufeudalismus. Da können die grossen Firmen die Steuern diktieren, sonst ziehen sie halt ins Ausland. Soll der Staat froh sein, kriegt er überhaupt Steuern. Sollen die Angestellten froh sein, kriegen sie überhaupt einen Lohn. Sollen die KundInnen froh sein, kriegen sie so tolle Produkte.

Es geht gar nicht um liberal oder nicht liberal. Das sind Nebelpetarden. Es geht darum, die Besitzverhältnisse und Machtstrukturen hinter undifferenziertem ideologischem wirtschaftsliberalem Käse zu verstecken. Es stimmt einfach nicht, dass es damit getan ist, wenn man Firmen alle Freiheiten lässt und dann liberal daraufschreibt, so populär diese seltsame Auslegung momentan sein mag. Man kann nicht freie Marktwirtschaft (je freier desto besser!) auf alles draufwerfen und schwupps, blühende Landschaften. Das Gegenteil stimmt genau so wenig. Freie Marktwirtschaft ist nicht per se böse. Sie hat sogar wahnsinnige Vorteile – die meines Erachtens von extremer Kapital- und damit Machtkonzentration wieder zunichte gemacht werden. Ein Ausdruck hoher Kapitalkonzentration sind extravagante Managerlöhne.

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