In One Person

Es muss ein, zwei Jahre her sein, dass mir ein Buch solches Lesevergnügen bereitet hat. Ich kann nicht sagen, ich habe es verschlungen – ich bin nicht so der Bücherverschlinger (und das Buch ist doch ordentlich dick). Aber es hat wiederholt einen Sog entwickelt, von dem ich mich Nachts um zwei losreissen musste.

Es geht um In One Person von John Irving.

Vorweg: Es ist das erste Buch von John Irving, das ich gelesen habe. Ich weiss also nicht, ob es ein Abklatsch seiner anderen Werke ist. Und ich bin nicht der grösste Literaturkenner, weshalb ich mich an der intertextuellen Ebene nicht gross ergötzen konnte.

Jetzt aber. Warum ich das Buch mochte:

Ich mag Geschichten, die ein ganzes Leben abdecken, die einer Person über Jahrzehnte folgen, einen an ihren Gedanken teilhaben lassen, einen in die Milieus mitnehmen, in denen sie verkehrt. Man identifiziert sich mit dem Erzähler und sieht die Leute mit seinen Augen, sieht, wie die alle drauf sind und was für Leben sie leben und kriegt eine Ahnung, welches die guten Menschen sind. Und nebenbei wird ein Blick darauf gewofen, wie sich die Welt verändert.

Ich mag Gender Trouble. Das muss man, um dieses Buch zu mögen. Die Dichte an queerem Personal hat almodovarische Ausmasse. Manchen geht das auf den Geist, ich finde es spannend (und ich lache mir ins Fäustchen, wenn der omnipräsenten Heteronormalität Brüche zugefügt werden und Unsicherheit entgegengestellt wird). Aber das Buch ist kein Pamphlet. In erster Linie geht es um Menschen, nicht um politische Aussagen.

Ich mag diese Art zu erzählen. Die Leichtigkeit, die treffenden Beschreibungen, den ironischen Unterton, überhaupt den Humor. Vielleicht ist das typisch Irving, vielleicht typisch angelsächsisch, war jedenfalls gut. Am Anfang nervte mich der absichtlich unchronologische Aufbau, aber ich gwöhnte mich daran, und wenn sein Zweck Spannungsaufbau ist, erfüllt er ihn.

Lesen!

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