BGE (7): Wie übers BGE gesprochen wird

Serie bGE 272Die BGE-Initiative wurde eingereicht. Dazu haben alle etwas zu sagen. Ein Grossteil der Kommentare beschränkt sich jedoch auf uninformiertes Unverständnis („Linksextrem! So weit sind wir schon! Wer soll das bezahlen?“). Ja, ich weiss, man sollte keine Kommentare im Internet lesen. Alles Trollerei, Polemik, Spin und nicht repräsentativ. Okay. Aber es zeigt wohl doch eine weit verbreitete „Meinung“. Und das betrübt mich – Nicht weil ich alle für blöd halte, die das BGE nicht für genial halten, sondern weil es den Unwillen oder das Unvermögen vieler Leute zeigt, sich mit dem eigenen Leben und der Gesellschaft auseinanderzusetzen und sich über Dinge zu informieren, bevor man weiss, was man davon hält.

Eine ähnliche Art von Kommentar (aber, wenn ich das richtig sehe, nicht als solcher deklariert, sondern als common sense) findet sich bei der ach so seriösen NZZ, wo das „Wirtschaft ist gut! Huldigt ihr!“-Weltbild wieder einmal ohne Rücksicht auf Verluste ausgerollt wird (hier und hier). Die Kommentare zeugen ebenfalls von einer Denkfaulheit sondergleichen. Man nimmt einfach die nächstbeste grosse Patsche und räumt jede Kritik am Status Quo vom Tisch. Am besten geht das natürlich, wenn man unterschlägt, dass das BGE in die Löhne hineinwachsen würde. Das wird dann noch aufgepeppt mit dem wissenden Gestus des Sachverständigen, der darüber aufklärt, dass die Wirtschaft genau so wie jetzt zu funktionieren habe. Und natürlich hinterfragt man nicht die ganze Bullshit-Economy. Die Frage unser Gesellschaft ist doch nicht (nur), wie wir unseren Lebensstandard halten, sondern was wir damit machen! Was ist Lebensqualität? Was braucht es dazu, materiell und immateriell?

Das Echo der Zeit sprach mit Klaus Wellershoff (ab 31:50), Wirtschaftsgrösse und bekannter Sympathisant des BGE, der zwar kritisch ist (und auch einiges sagt, was ich nicht unterschreiben würde), aber ein paar Aspekte auf den Punkt bringt. (Auch das Echo übernimmt im Vorspann die Zahl, dass das BGE 150 Mrd. kosten würde, was wiederum nicht beachtet, dass das BGE in die Löhne hineinwachsen würde; dass Pflegebedürftige mit dem BGE auskommen müssten, ist auch eine phantasievolle Auslegung.)

Einen unverhofften Lichtblick gibt es in der Thurgauer Zeitung: ein unaufgeregtes Interview mit einem Professor für Arbeitspsychologie, der an anderer Stelle den schönen Satz sagt: „Die Vorstellung, dass es etwas anderes geben kann, als von Lebensnotwendigkeiten erzwungene Biographien, nehmen viele als Bedrohung wahr.“ – Dies vielleicht auch eine Erklärung dafür, warum sich manche so heftig dagegen wehren, sich überhaupt mit den Zusammenhängen auseinanderzusetzen, die das BGE anspricht.

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