Das Recht auf Eltern und die Natur der Sache

Dass die EVP nicht die grösste Freundin von Homosexuellen ist, überrascht ja nicht gross. Bei ihrer Stellungsnahme zur relativ bescheidenen Liberalisierung des Adoptionsrechts, das u.a. auf Stiefkindadoption für homosexuelle Paare ausgeweitet werden soll, kann man Zeuge werden, wie versucht wird, eine Ideologie mit Biegen und Brechen argumentativ zu untermauern. Das verdient doch einen Eimer Häme und Sarkasmus!

Es beginnt mit einer Klarstellung:

Zunächst ist festzuhalten, dass von einer Neuerung nur ganz wenige Kinder betroffen wären, […]

Wir lernen: Es geht um so eine komische Minderheit. Ein paar tausend Fälle. Frechheit, dass man sich da überhaupt damit befassen muss. Und Menschlichkeit und Nächstenliebe auch noch auf diese Sonderfälle anwenden muss.

Eine Adoption wäre nur mit der Einwilligung des andersgeschlechtlichen Elternteils möglich. Diese dürfte meist nicht erteilt werden, zumal das Kind auch alle weiteren Verwandten von dieser Seite verlieren würde.

Gut, dass die EVP weiss, wie sich Leute verhalten. Macht auch Sinn, die Stiefkindadoption nicht zu erlauben, weil in konkreten Fällen biologische Eltern ihre Zustimmung nicht geben könnten. Die müssen sich dann – immer hypothetisch gesehen – nämlich nicht den Aufwand machen, nicht zu unterschreiben. Und ganz nebenbei dürfen die, die unterschreiben wollen, weiterhin nicht unterschreiben. Aber das ist ja eh nur eine Minderheit.

Das Kind kann so z.B. mit der leiblichen Mutter und deren neuen Partnerin aufwachsen, aber zeitlebens seinen leiblichen Vater behalten. Nüchtern betrachtet ist das für das Kind wohl in den allermeisten Fällen die mit Abstand beste Lösung.

Nüchtern betrachtet ist es eine Anmassung, dass die EVP pauschal zu wissen glaubt, was „in den allermeisten Fällen“ die beste Lösung sei.

Weil lesbische Paare sehr viel leichter zu einem Kind kommen als schwule Paare, würde eine Ausdehnung der Stiefkindadoption auf diese Fälle zu neuen Ungerechtigkeiten führen.

Oh, da hat man doch noch etwas Empathie gefunden. Arme Männer, können keine Kinder kriegen. Voll fies! – Aber das zielt natürlich auf etwas anderes:

Es würden rasch Forderungen nach der Freigabe auch der Volladoption für Paare in eingetragener Partnerschaft erhoben.

Daher weht also der Wind. Und da sind wir wohl beim Kernpunkt. Ich würde sagen: Klar, hoffentlich auch. Da kann man natürlich anderer Meinung sein. Aber dann diese scheinheilige Schiene, man wolle „keine neuen Ungerechtigkeiten“ schaffen – und dafür die jetztige unhaltbare Situation von tausenden Kindern in Kauf nehmen? Die einzige Möglichkeit, die Ungerechtigkeiten abzuschaffen, ist die vollständige Öffnung des Adoptionsrechts für Homosexuelle.

Grundsätzlich ist daran zu erinnern, dass die von der Schweiz ratifizierte Kinderrechtskonvention ein Recht auf Eltern vorsieht und es in der Natur der Sache liegt, dass man darunter einen Vater und eine Mutter versteht.

Jaja, die Natur der Sache, die weiss eben, was richtig ist. Und so lange wir uns dessen sicher sind, können wir ja auch alle Alleinerziehenden und Homosexuellen ignorieren, alle arbeitsbedingt abwesenden, engagierten, schlechten und tollen Eltern über einen Kamm scheren und so tun, als wäre das einzige, das zählt, ob da ein Weiblein und ein Männlein in einem juristischen Verzeichnis stehen.

Liebe EVP, euer Modell passt nicht auf die Realität. Es gibt keinen einzig richtigen Weg zum Glück. Unter diesem ganzen blöden Gelaber, das vorgibt, auf der Seite der Kinder und des guten Lebens zu sein, quillt ein übelriechender Egoismus hervor: Es geht darum, allen eine Werthaltung aufzuerlegen, und Schaden wird dafür in Kauf genommen.

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