Fortschritt

Fortschritt ist ein angreifbares Konzept. Oft ist nicht so klar, ob etwas jetzt unterm Strich ein Fortschritt ist. Differenziertes Denken und Postmoderne und so. Aber manchmal wird mir doch sehr klar, was Fortschritt ist.

Verengen wir den Blick etwas und nehmen das Thema Homosexualität. Ich habe vor einigen Tagen „Der Kreis“ gesehen. Und eben habe ich nachgelesen, wie das mit dem Stonewall-Aufstand genau war und habe den online verfügbaren Ausschnitt aus der anscheinend ziemlich einschneidenden „Telearena“ des Schweizer Fernsehens aus dem Jahre 1978 angeschaut (vgl. NZZ-Artikel: „Ein Markstein der Schwulenbewegung„).

Wenn man vergleicht, wie damals über Homosexualität geredet wurde und wie heute: Das ist Fortschritt.

Nun kann man den Blick wieder weiten. Ist es nicht mit vielen Dingen so: vor ein paar Generationen noch unvorstellbar, nun normal? Frauenstimmrecht, überhaupt Frauen, die arbeiten, selbst unterschreiben, bezahlen, entscheiden. Andere Pigmentierung der Haut als hell. Nicht ins Militär gehen. An keinen Gott glauben. In WGs leben. Rummachen oder mit jemandem ins Bett, wenn einem danach ist. Uneheliche Kinder. – Alles so Dinge, die einen unter Umständen vor hundert, fünfzig oder zwanzig Jahren in grössere Probleme stürzen konnten (und es in manchen Milieus noch heute können sowie an vielen anderen Orten auf der Welt). Aber auch Kämpfe für ökonomische Teilhabe: die Sozialversicherungen, Krankenversicherung, Altersvorsorge, der relative Anspruch auf finanzielle Unterstützung.

Die Linke, so wie ich sie verstehe, muss diese Veränderungen vorantreiben. Konservativismus ist dort, wo „das war schon immer so und gehört sich nicht“ als Argument gilt. Was Nervenzusammenbrüche, Unglück, Erpressbarkeit und Unfreiheit zur Folge hat. Links ist dort, wo weitergedacht wird. Fragt sich nur: Was wird das „scheisse, das war ja schlimm damals“ von 2064 sein?

Fortschritt, Veränderung – wir sind auf dem Weg.

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3 Antworten zu Fortschritt

  1. Hausfrau Hanna schreibt:

    Die Sendung Telearena war in den Siebzigerjahren etwas vom Besten, was es im TV gab,
    lieber Kim,
    und diese hier haben wir damals im kleinen Kreis zusammen angeschaut.
    Diskutiert. Stellung bezogen. Uns ereifert…
    Hansulrich Indermaur, an den ich mich gut und gern erinnere in seiner kompetenten, ruhigen und auch einfühlsamen Art, diese Sendungen zu leiten.
    Das war damals…
    Herzlich ins Heute!
    Hausfrau Hanna

  2. Kim schreibt:

    Hej Hanna
    Schön, dass du immer noch mitliest 🙂
    Habe vorher natürlich noch nie von der Telearena gehört und war überrascht, was es damals gab, ist ja wirklich ein interessantes Konzept mit den Spielszenen plus Diskussion.
    Herzliche Grüsse zurück!

  3. Pingback: Privilegien – für alle | Nichts ist klar.

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