Notizen vor einer weiteren verloren Umverteilungs-Initiative

Die populärsten Argumente, die gegen die Erbschaftssteuer angeführt werden, sind Ablenkungsmanöver.

Der erste Platz unter den unlauteren Argumenten geht an: „damit wird dasselbe Geld ein drittes Mal besteuert, das zuvor als Einkommen und als Vermögen besteuert wurde“

Kann man so sehen, ist aber totaler Bullshit. Besteuert wird ja nicht Geld, weil irgendjemand eine maliziöse Lust hat, alles Geld in privaten Händen zu vernichten, sondern Transaktionen oder Zustände, die darauf schliessen lassen, dass es gerechtfertigt und verkraftbar ist, an diesem Punkt einen Bruchteil der Allgemeinheit zuzuführen. Zum Beispiel: ich konsumiere; ich kaufe Luxusgüter; ich verdiene etwas; ich habe Geld, das rumliegt. Man kann natürlich darüber diskutieren, an welchen Stellen wie viel Steuern eingezogen werden sollen (Luxussteuern leuchten z.B. sofort ein, da sie der Gesellschaft Ressourcen entziehen, von denen einE einzelneR KonsumentIn profitiert; Erbschaftssteuern IMHO auch, Stichwort Chancengleichheit).

Das Gelaber von der „dreifachen Besteuerung“ blendet aus, dass Geld immer wieder die Hand wechselt. Würde es nicht als Vermögen herumliegen und dann vererbt werden, würde es vielleicht hundertmal besteuert, beim Konsum, dann als Unternehmensgewinn, dann wieder als Einkommen, dann beim Konsum… Die Frage ist nicht, wie viel Mal eine Stange Geld Besteuert wird, sondern in welchen Momenten Besteuerung am vertretbarsten (weil fair und praktikabel) ist.

Wenn eine „dreifache Besteuerung“ von irgendetwas zeugt, dann davon, dass die Steuern einfach zu gering sind und am Schluss immer noch zu viel Ungleichheit da ist, die etwas angeglichen gehört, denn so etwas hat null und nichts mit Leistung zu tun, sondern mit Bereicherung.

Darauf folgt natürlich das Neid-Argument. Aber wenn ich jemandem nicht gönne, massiv und ohne eigene Leistung Geld anzusammeln, ist das nicht Neid, sondern Gerechtigkeitssinn.

Der zweite Platz unter den unlauteren Argumenten geht an: „Da werden die Chrampfer wieder geschröpft! Die armen KMUs!“ – Ja, diese putzigen kleinen familiären KMUs im Wert von Duzenden Millionen Franken und die prototypischen Chrampfer mit mehr als zwei Millionen Vermögen, die trifft’s natürlich hart. Sind mindestens tausend Prozent der KMUs und über neuntausend Prozent der Chrampfer, etwa.

Der dritte Platz unter den unlauteren Argumenten geht an „Unsicherheiten! Böse!“ – Ähm ja. Das bürgerliche Parlament wird ein wirtschaftsfreundliches Gesetz ausarbeiten und dort steht dann drin, was Sache ist. Da ist natürlich alles totaaaaal unsicher. Noch schlimmer wäre nur, wenn man nicht mehr unbegrenzt billige Arbeitskräfte aus dem Ausland holen könnte, das würde die Wirtschaft nicht verkraften – wait, ich höre gerade, sogar solche Idiotien, wo man der eigenen Wirtschaft ohne Notwendigkeit und Eigennutz echte Unsicherheiten auferlegt, sind irgendwie verkraftbar.

Unterm Strich geht es darum, Pfründen zu sichern. Zusätzlich wird der Zugriff des Staats per se nicht goutiert, weil das irgendeine grosse Institution ist, die bedrohlich wirkt, wenn sie sich beim eigenen Besitz einmischt. Das ist ein Argument: Wir wollen weniger Manövriermasse für den Staat, weil den mögen wir nicht. Das wäre ehrlich. Das ganze Blabla, dass Familien, Eichhörnchen, KMUs, Nachbars Katze oder die Rosen im Garten unter einer Erbschaftssteuer leiden, ist ein – wieder mal gelungenes, leider – Ablenkungsmanöver.

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Eine Antwort zu Notizen vor einer weiteren verloren Umverteilungs-Initiative

  1. Hausfrau Hanna schreibt:

    Die Sternli sind gedrückt,
    lieber Kim,
    die Höchstzahl natürlich. Und gleich hinterher folgt nun ein herzliches ‚Merci‘ für diesen Beitrag:
    So ist es!
    Dennoch wird die Initiative abgelehnt. Ablenkungsmanöver und Angstmacherei haben gesiegt.
    Leider.

    Ha det gott!
    Hausfrau Hanna

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